Die wichtigsten Begriffe rund um Lager, Bestand und Disposition – kurz und verständlich erklärt, mit Formeln zum Nachrechnen. Das Glossar wächst laufend.
ABC-Analyse Kennzahlen
Teilt Artikel nach ihrem Anteil am Verbrauchs- oder Umsatzwert in drei Klassen. A-Artikel sind die wenigen, die den Großteil des Werts ausmachen (oft 10–20 % der Artikel mit 70–80 % des Werts). C-Artikel sind viele Artikel mit wenig Wert. So sieht man, wo genaue Steuerung Geld bringt.
FormelArtikel nach Jahreswert sortieren, Anteile kumulieren, Grenzen z. B. bei 80 % und 95 % setzen
Siehe auch: XYZ-Analyse · Disposition
Absatzmenge Kennzahlen
Verkaufte oder verbrauchte Stückzahl eines Artikels in einem Zeitraum, etwa je Monat oder in den letzten 12 Monaten. Retouren, Umbuchungen zwischen Lagern und Inventurkorrekturen gehören nicht dazu, sonst wird der Bedarf falsch eingeschätzt.
Siehe auch: Reichweite · Lagerumschlag
Abverkauf Bestand
Gezielter Verkauf von Ladenhütern oder Überbeständen, z. B. mit Rabatt, als Bundle oder über Restpostenhändler. Lohnt sich, wenn der Erlös plus eingesparte Lagerkosten höher ist als der Nutzen des Weiterlagerns.
Siehe auch: Ladenhüter
Auffälliger Bestandswert Bestand
Summe aus dem Wert der Ladenhüter und dem Überbestand über der Ziel-Reichweite. Er zeigt, wo man ansetzen sollte. Eine Einsparung ist er noch nicht.
Siehe auch: Realistisch abbaubarer Bestand · Freigesetztes Kapital
Bestellrhythmus Beschaffung
Festes Intervall, in dem bei einem Lieferanten bestellt wird, z. B. wöchentlich. Ein längerer Rhythmus erhöht den Durchschnittsbestand.
Siehe auch: Disposition
Bestellvielfaches Beschaffung
Verpackungs- oder Bestelleinheit, in deren Vielfachen bestellt werden muss, z. B. Karton zu 12 Stück. Bestellvorschläge werden darauf gerundet.
Siehe auch: Mindestbestellmenge
Bewertungspreis Finanzen
Wert je Mengeneinheit, mit dem die Warenwirtschaft den Bestand bewertet. Üblich ist der gleitende Durchschnittspreis, sonst der letzte Einkaufspreis oder ein fester Standardpreis. Für Auswertungen gilt: für alle Artikel dieselbe Preisart und immer je Mengeneinheit des Bestands.
Siehe auch: Einstandspreis · Gleitender Durchschnittspreis
Bilanzsumme Finanzen
Summe aller Vermögenswerte der Aktivseite. Sie entspricht dem Gesamtkapital, also Eigen- plus Fremdkapital.
Siehe auch: Gesamtkapitalrendite
Datenqualität Daten
Wie vollständig, richtig und widerspruchsfrei die Daten sind. Typische Mängel: fehlende Einkaufspreise, negative Bestände, doppelte Artikelnummern, Verkäufe ohne Datum.
Siehe auch: Stammdaten
Disposition Beschaffung
Planung, welcher Artikel wann in welcher Menge nachbestellt wird. Gute Disposition hält Bestände niedrig und Lieferfähigkeit hoch.
Siehe auch: Meldebestand · Sicherheitsbestand
Durchschnittlicher Lagerbestand Kennzahlen
Mittlerer Bestandswert über einen Zeitraum. Er ist aussagekräftiger als ein einzelner Stichtag, weil Bestände im Jahresverlauf schwanken.
Formel(Anfangsbestand + 12 Monatsendbestände) ÷ 13
Siehe auch: Lagerumschlag
Einschlafender Artikel Bestand
Artikel, dessen Absatz deutlich unter dem Vorjahr liegt, z. B. um mehr als 40 %. Er ist noch kein Ladenhüter, wird aber bald einer, wenn weiter wie bisher nachbestellt wird.
FormelAbsatz letzte 12 Monate ÷ Absatz 12 Monate davor − 1
Siehe auch: Ladenhüter
Einstandspreis Finanzen
Einkaufspreis eines Artikels einschließlich Bezugskosten wie Fracht und Zoll, abzüglich Rabatte und Skonto. Grundlage für die Bewertung des Bestands.
Siehe auch: Wareneinsatz
Fehlmenge Bestand
Nachfrage, die nicht bedient werden kann, weil der Artikel nicht vorrätig ist. Folgen sind entgangener Umsatz, Ersatzkäufe beim Wettbewerb und unzufriedene Kunden.
Siehe auch: Lieferfähigkeit · Sicherheitsbestand
Freigesetztes Kapital Finanzen
Geld, das nach umgesetzten Maßnahmen tatsächlich nicht mehr in Ware gebunden ist. Es lässt sich nur durch eine Nachmessung belegen: Bestandswert vorher minus Bestandswert nachher, bei vergleichbarem Absatz. Es ist Liquidität, kein Gewinn.
FormelBestandswert beim letzten Check − Bestandswert heute
Siehe auch: Kapitalbindung · Auffälliger Bestandswert
Gesamtkapitalrendite Kennzahlen
Zeigt, wie viel Gewinn das gesamte eingesetzte Kapital erwirtschaftet. Sinkt der Bestand bei gleichem Gewinn, steigt sie.
Formel(Jahresüberschuss + Fremdkapitalzinsen) ÷ Bilanzsumme
Siehe auch: Bilanzsumme
Gesperrter Bestand Bestand
Ware, die physisch im Lager liegt, aber nicht verkauft werden darf, z. B. wegen Beschädigung, Qualitätsprüfung, Reklamation oder abgelaufenem Haltbarkeitsdatum. Sie bindet Kapital ohne Nutzen und ist oft ein Kandidat für Abschreibung oder Rücksendung.
Siehe auch: Reservierter Bestand · Verfügbarer Bestand
Gleitender Durchschnittspreis Finanzen
Bewertungspreis, der bei jedem Wareneingang neu berechnet wird. Er mischt den Wert des vorhandenen Bestands mit dem Einstandspreis der neuen Lieferung und glättet so Preisschwankungen.
Formel(Bestandswert alt + Wert Zugang) ÷ (Menge alt + Menge Zugang)
Siehe auch: Bewertungspreis · Einstandspreis
Höchstbestand Beschaffung
Obergrenze, die der Bestand eines Artikels nach einer Lieferung nicht überschreiten soll. Zusammen mit dem Meldebestand bestimmt er, wie viel nachbestellt wird. Ein sauber gesetzter Höchstbestand verhindert, dass Überbestand überhaupt entsteht.
FormelBestellmenge = Höchstbestand − aktueller Bestand − offene Bestellungen
Siehe auch: Meldebestand · Überbestand
Inventur Bestand
Bestandsaufnahme aller Vermögensgegenstände zu einem Stichtag durch Zählen, Messen oder Wiegen. Gesetzlich vorgeschrieben (§ 240 HGB). Sie ist ein guter Zeitpunkt, um Ladenhüter zu erkennen.
Siehe auch: Inventurdifferenz
Inventurdifferenz Bestand
Unterschied zwischen dem Bestand laut System und dem tatsächlich gezählten Bestand. Ursachen sind Diebstahl, Bruch, Buchungsfehler oder falsche Lieferungen.
Siehe auch: Inventur · Stammdaten
Kapitalbindung Finanzen
Geld, das in Ware steckt und deshalb nicht für andere Zwecke zur Verfügung steht. Hohe Kapitalbindung belastet die Liquidität, auch wenn das Unternehmen Gewinn macht.
Siehe auch: Freigesetztes Kapital · Liquidität
Konsignationslager Beschaffung
Lager beim Händler, dessen Ware bis zur Entnahme dem Lieferanten gehört. Bezahlt wird erst, was entnommen wird. So bleibt die Ware verfügbar, ohne dass der Händler Kapital bindet. Lohnt sich vor allem bei teuren oder schwer planbaren Artikeln und braucht klare Regeln zu Abrechnung, Inventur und Haftung.
Siehe auch: Kapitalbindung · Inventur
Ladenhüter Bestand
Artikel, der seit langer Zeit nicht verkauft wurde, z. B. seit über 180 Tagen. Sein ganzer Bestandswert bindet Kapital ohne Gegenleistung. Typische Maßnahmen: Abverkauf mit Rabatt, Bundle, Rückgabe an den Lieferanten oder Auslistung.
Siehe auch: Abverkauf · Überbestand
Lagerdauer Kennzahlen
Durchschnittliche Zahl der Tage, die Ware im Lager liegt, bevor sie verkauft wird. Sie ist der Kehrwert des Lagerumschlags.
Formel365 ÷ Lagerumschlag
Siehe auch: Lagerumschlag · Reichweite
Lagerhaltungskosten Finanzen
Kosten, die entstehen, weil Ware auf Lager liegt: Zinsen auf das gebundene Kapital, Schwund, Veralterung, Wertverlust sowie bestandsabhängige Kosten für Fläche, Versicherung und Personal.
Formeldurchschnittlicher Lagerbestand × Lagerhaltungskostensatz
Siehe auch: Lagerhaltungskostensatz · Kapitalbindung
Lagerhaltungskostensatz Finanzen
Jährliche Lagerhaltungskosten in Prozent des durchschnittlichen Bestandswerts. Als Faustwert werden im Handel oft 15–25 % angesetzt. Der genaue Wert hängt von Zins, Fläche und Risiko der Ware ab.
Siehe auch: Lagerhaltungskosten
Lagerrendite Kennzahlen
Englisch GMROI. Gibt an, wie viel Rohertrag jeder Euro Lagerbestand im Jahr erwirtschaftet. Sie verbindet Marge und Lagerumschlag in einer Zahl und eignet sich gut für den Vergleich von Warengruppen.
FormelRohertrag ÷ durchschnittlicher Lagerbestand zu Einstandspreisen
Siehe auch: Lagerumschlag
Lagerumschlag Kennzahlen
Auch Umschlagshäufigkeit. Gibt an, wie oft der durchschnittliche Lagerbestand im Jahr verkauft und ersetzt wird. Je höher, desto weniger Kapital ist im Verhältnis zum Absatz gebunden.
FormelWareneinsatz ÷ durchschnittlicher Lagerbestand (zu Einstandspreisen)
Siehe auch: Lagerdauer · Wareneinsatz
Lieferfähigkeit Kennzahlen
Auch Servicegrad. Anteil der Nachfrage, der sofort aus dem Lager bedient wird. Man unterscheidet nach Aufträgen (Anteil der vollständig lieferbaren Aufträge) und nach Menge (Anteil der lieferbaren Stückzahl). Bestand zu senken ist nur dann ein Erfolg, wenn die Lieferfähigkeit stimmt.
Siehe auch: Fehlmenge · Sicherheitsbestand
Liquidität Finanzen
Die Fähigkeit, Rechnungen jederzeit fristgerecht zu bezahlen. Weniger gebundenes Kapital im Lager verbessert die Liquidität direkt.
Siehe auch: Kapitalbindung
Meldebestand Beschaffung
Auch Bestellpunkt. Bestand, bei dessen Erreichen nachbestellt wird, damit die Ware rechtzeitig eintrifft.
FormelTagesverbrauch × Wiederbeschaffungszeit + Sicherheitsbestand
Siehe auch: Sicherheitsbestand · Wiederbeschaffungszeit
Mengeneinheit Daten
Einheit, in der Bestand und Preis eines Artikels geführt werden, z. B. Stück, Kilogramm oder Meter. Bestand und Bewertungspreis müssen sich auf dieselbe Einheit beziehen, sonst stimmt der Bestandswert nicht.
Siehe auch: Bewertungspreis · Stammdaten
Mindestbestellmenge Beschaffung
Kleinste Menge, die ein Lieferant je Bestellung liefert. Ist sie im Verhältnis zum Absatz hoch, entsteht leicht Überbestand.
Siehe auch: Bestellvielfaches · Überbestand
Optimale Bestellmenge Beschaffung
Bestellmenge, bei der die Summe aus Bestellkosten und Lagerhaltungskosten am niedrigsten ist. Große Mengen sparen Bestellungen, binden aber mehr Kapital. Kleine Mengen binden wenig Kapital, verursachen aber häufige Bestellungen. Die klassische Andler-Formel liefert einen Richtwert, den man an Mindestbestellmenge und Bestellvielfaches anpasst.
FormelWurzel aus (2 × Jahresbedarf × Kosten je Bestellung ÷ (Einstandspreis × Lagerhaltungskostensatz))
Siehe auch: Lagerhaltungskostensatz · Mindestbestellmenge · Bestellvielfaches
Realistisch abbaubarer Bestand Bestand
Der Teil des auffälligen Bestandswerts, der sich in einem überschaubaren Zeitraum tatsächlich abbauen lässt, etwa durch Abverkauf oder geringere Nachbestellung. Er beruht auf einer bewusst vorsichtigen Annahme.
Formelauffälliger Bestandswert × angenommene Abbauquote
Siehe auch: Auffälliger Bestandswert
Reichweite Kennzahlen
Gibt an, wie lange der aktuelle Bestand eines Artikels beim bisherigen Verbrauch noch reicht. Eine sehr hohe Reichweite deutet auf Überbestand hin, eine sehr niedrige auf drohende Fehlmengen.
Formelaktueller Bestand ÷ durchschnittlicher Tagesabsatz
Siehe auch: Ziel-Reichweite · Überbestand · Fehlmenge
Reservierter Bestand Bestand
Bestand, der bereits für Kundenaufträge vorgesehen ist und nicht mehr frei verkauft werden kann.
Siehe auch: Verfügbarer Bestand
Saisonartikel Bestand
Artikel mit Nachfrage nur in bestimmten Monaten, z. B. Gartenartikel oder Streusalz. Vor der Saison wird bewusst Bestand aufgebaut. Deshalb brauchen Saisonartikel eigene Grenzwerte für Überbestand und Ladenhüter.
Siehe auch: XYZ-Analyse
Sicherheitsbestand Beschaffung
Puffer, der Schwankungen bei Nachfrage und Lieferzeit abfängt. Er sollte zur Bedeutung des Artikels passen: Bei wichtigen A-Artikeln mit stabiler Nachfrage reicht oft wenig, bei Artikeln mit stark schwankender Nachfrage braucht es mehr.
Formeleinfache Faustformel: durchschnittlicher Tagesverbrauch × Sicherheitstage
Siehe auch: Meldebestand · XYZ-Analyse
Stammdaten Daten
Grunddaten eines Artikels, die sich selten ändern: Artikelnummer, Bezeichnung, Einheit, Preis, Lieferant, Lieferzeit. Fehlerhafte Stammdaten verfälschen jede Auswertung und jede Bestellung.
Siehe auch: Datenqualität
Verfügbarer Bestand Bestand
Bestand, der tatsächlich für neue Aufträge bereitsteht.
FormelLagerbestand − reservierter Bestand − gesperrter Bestand + fest erwartete Zugänge
Siehe auch: Reservierter Bestand · Gesperrter Bestand
Vorräte Finanzen
Bilanzposten auf der Aktivseite (§ 266 HGB). Im Handel sind das überwiegend Waren, bewertet zu Anschaffungskosten oder dem niedrigeren Wert am Stichtag.
Siehe auch: Bilanzsumme
Wareneinsatz Finanzen
Einstandswert der in einem Zeitraum verkauften Waren.
FormelAnfangsbestand + Wareneinkauf − Endbestand
Siehe auch: Lagerumschlag · Einstandspreis
Warengruppe Daten
Zusammenfassung ähnlicher Artikel, z. B. Hydraulik oder Dichtungen. Auswertungen nach Warengruppe zeigen schnell, in welchem Teil des Sortiments das Kapital steckt.
Siehe auch: ABC-Analyse · Stammdaten
Warenwirtschaftssystem Daten
Software zur Steuerung von Einkauf, Lager und Verkauf, oft Teil eines ERP-Systems. Für eine Bestandsanalyse reicht meist ein Export der Artikel-, Bestands- und Absatzdaten.
Siehe auch: CSV-Export
Wiederbeschaffungszeit Beschaffung
Zeit von der Bestellung bis die Ware verfügbar im Lager liegt, einschließlich Bestellbearbeitung, Lieferzeit und Wareneingang. Schwankende Wiederbeschaffungszeiten erhöhen den nötigen Sicherheitsbestand.
Siehe auch: Meldebestand
XYZ-Analyse Kennzahlen
Teilt Artikel nach der Gleichmäßigkeit ihrer Nachfrage ein. X: gleichmäßig und gut planbar. Y: schwankend, etwa saisonal. Z: unregelmäßig oder sporadisch. Zusammen mit der ABC-Analyse zeigt sie, welche Artikel welche Dispositionsregel brauchen.
FormelVariationskoeffizient = Standardabweichung ÷ Mittelwert des Absatzes je Periode
Siehe auch: ABC-Analyse · Sicherheitsbestand
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Stand: Oktober 2026 · 52 Begriffe · Alle Erklärungen sind eigene Texte von Bestands-Manager.com.