Wissen für Händler
Ladenhüter erkennen und abbauen
Ein Ladenhüter ist ein Artikel, der seit mindestens 180 Tagen nicht verkauft wurde. Sortieren Sie zuerst Saisonartikel, neue Artikel und bewusst gehaltene Artikel aus. Den Rest geben Sie zurück, verkaufen ihn mit Abschlag oder schreiben ihn ab, und Sie sperren ihn für Nachbestellungen. Der bezahlte Einkaufspreis spielt für die Entscheidung keine Rolle mehr, er ist ohnehin ausgegeben.

Ab wann ist ein Artikel ein Ladenhüter?
Als Faustregel gilt im Handel: mindestens 180 Tage ohne Verkauf. Bei langsam drehendem Sortiment wie Ersatzteilen sind 365 Tage oft sinnvoller. Die Grenze legen Sie für Ihr Sortiment selbst fest, wichtig ist nur, dass sie für alle Artikel gleich gilt.
Die Zahl, die Sie dafür brauchen, steht in fast jeder Warenwirtschaft: das Datum des letzten Verkaufs. Tage seit dem letzten Verkauf ist die ehrlichste Lagerkennzahl, die es gibt. Sie braucht keine Durchschnitte und keine Annahmen.
Vorher aussortieren: drei Ausnahmen
- Saisonartikel. Streusalz im Juli ist kein Ladenhüter. Prüfen Sie, ob der Artikel im Vorjahr zur Saison verkauft wurde.
- Neue Artikel. Was erst seit sechs Wochen im Sortiment ist, kann nicht seit 180 Tagen liegen. Schauen Sie bei neuen Artikeln nach 90 Tagen hin.
- Bewusst gehaltene Artikel. Das Ersatzteil, das Ihr wichtigster Kunde einmal im Jahr braucht. Markieren und in Ruhe lassen.
Alles andere bindet Geld, ohne etwas zurückzugeben. Dazu kommen Lagerkosten von typischerweise 15 bis 25 Prozent des Warenwerts pro Jahr für Zinsen, Fläche, Versicherung, Schwund und Veralterung.
Der wichtigste Gedanke: Was Sie bezahlt haben, ist weg
Die meisten Ladenhüter-Aktionen scheitern an einem Satz: „Den haben wir für 18 Euro gekauft, für 6 Euro gebe ich ihn nicht her.“ Doch die 18 Euro kommen nicht zurück, egal wie lange der Karton noch steht. Entscheidend ist nur: Was bringt ab heute mehr?
Beispiel: 640 Thermostatköpfe, Einkaufspreis 18 €, also 11.520 € Einkaufswert. Verkauft werden noch 20 Stück im Jahr zu je 26 € (8 € Rohertrag). Ein Restpostenhändler zahlt heute 6 € je Stück. Lagerkostensatz 20 Prozent.
Gerechnet wird mit dem, was die Ware heute bringt, also 3.840 €. Das ist das Geld, das im Regal festliegt. Die 11.520 € Einkaufswert kommen in der Rechnung nicht vor.
| Nach einem Jahr | Behalten | Heute an Restpostenhändler |
|---|---|---|
| Erlös heute | 0 € | 3.840 € |
| Erlös aus Verkäufen im Jahr | 520 € (20 × 26 €) | 0 € |
| Restbestand | 620 Stück, höchstens 3.720 € wert (bei 6 €) | 0 € |
| Lagerkosten (20 % auf 3.840 €) | – 768 € | 0 € |
| Stand nach einem Jahr | höchstens 3.472 € | 3.840 € |
Selbst wenn der Restpostenpreis ein Jahr lang hält, stehen Sie mit dem Behalten rund 370 Euro schlechter da. Fällt er auf 4 Euro, sind es gut 1.600 Euro, und der Platz ist ein Jahr länger belegt. Jedes weitere Jahr wiederholt sich die Rechnung, während der Restwert weiter sinkt. Ware, die nicht mehr zum Einkaufspreis verkäuflich ist, muss in der Bilanz oft ohnehin abgewertet werden. Sprechen Sie vor größeren Aktionen kurz mit Ihrem Steuerberater.
Sieben Wege, Ladenhüter loszuwerden
- Zurück an den Lieferanten, oft gegen Gebühr oder im Tausch gegen Ware, die Sie brauchen.
- Umlagern an einen anderen Standort, wo der Artikel läuft.
- Aktion für Stammkunden: Restposten zum Sonderpreis, zeitlich begrenzt.
- Bündeln als Zugabe zu einem gut laufenden Artikel.
- Restpostenhändler oder Online-Marktplatz: weniger Erlös, dafür schnell.
- Spenden, nach Rücksprache mit dem Steuerberater wegen der Umsatzsteuer.
- Abschreiben und entsorgen, wenn gar nichts geht. Dann sind wenigstens Platz und Lagerkosten frei.
Wie viel Geld kommt realistisch zurück?
Nicht jeder Ladenhüter lässt sich zu Geld machen. Rechnen Sie vorsichtig: Etwa ein Drittel des Kapitals in Ladenhütern kommt innerhalb von 12 Monaten realistisch zurück. Bei 180.000 Euro in Ladenhütern sind das rund 60.000 Euro, plus freier Platz und gesparte Lagerkosten. Überbestand lässt sich meist ohne Rabatt abbauen, dort ist mehr drin. Im Geld-im-Regal-Check stellen Sie den Anteil selbst ein; voreingestellt sind 50 Prozent für Ladenhüter und Überbestand zusammen.
Damit keine neuen Ladenhüter entstehen
- Bestellsperre setzen. Erkannte Ladenhüter in der Warenwirtschaft als Auslaufartikel kennzeichnen.
- Neue Artikel nach 90 Tagen prüfen. Läuft ein Artikel kaum, wird er nicht nachbestellt, bis die Ursache klar ist.
- Einschlafende Artikel bremsen. Verkauft sich ein Artikel über 40 Prozent schlechter als im Vorjahr, sofort die Bestellmenge senken. Er ist der Ladenhüter von morgen.
- Entscheidungen festhalten: was, wer, bis wann. Sonst bleibt es beim guten Vorsatz.
Häufige Fragen
Ab wie vielen Tagen ohne Verkauf ist ein Artikel ein Ladenhüter?
Im Handel hat sich die Grenze von 180 Tagen ohne Verkauf bewährt. Bei Ersatzteilen und sehr langsam drehendem Sortiment sind 365 Tage oft passender.
Soll ich Ladenhüter unter Einkaufspreis verkaufen?
Oft ja. Der Einkaufspreis ist bereits ausgegeben. Entscheidend ist, ob Behalten mehr bringt als der Erlös heute: die Verkäufe des nächsten Jahres plus der dann noch erzielbare Restwert, minus Lagerkosten von rund 20 Prozent auf den heutigen Verwertungswert. Bei echten Ladenhütern ist das fast nie der Fall.
Wie viel Kapital lässt sich aus Ladenhütern freisetzen?
Vorsichtig gerechnet etwa ein Drittel des gebundenen Kapitals innerhalb von 12 Monaten. Im Geld-im-Regal-Check stellen Sie den Anteil selbst ein; voreingestellt sind 50 Prozent für Ladenhüter und Überbestand zusammen, weil sich Überbestand meist ohne Rabatt abbauen lässt.
Wie finde ich meine Ladenhüter schnell?
Mit einem Export aus der Warenwirtschaft mit Artikelnummer, Bestand, Einkaufspreis und Datum des letzten Verkaufs. Der kostenlose Ladenhüter-Schnellcheck von Bestands-Manager.com zeigt daraus die 20 teuersten Ladenhüter in Euro.
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