Wissen für Händler
Was kostet Lagerhaltung? Den Lagerhaltungskostensatz berechnen
Lagerhaltungskosten sind alle Kosten, die entstehen, weil Ware im Lager liegt: Zinsen, Veralterung, mengenabhängige Fläche, Handling, Schwund und Versicherung. Im Handel liegen sie meist bei 15 bis 25 Prozent des Lagerwerts pro Jahr. Wer seinen Satz nicht kennt, rechnet mit 20 Prozent: Jeder Euro Ware kostet dann 20 Cent pro Jahr. Die größten Posten sind Zinsen und Veralterung, nicht die Halle.

Die sechs Kostenblöcke
- Zinsen. Das Geld für die Ware ist ausgegeben. Mit Kredit zahlen Sie Zinsen, ohne Kredit fehlt das Geld für Skonto oder Investitionen. Auch das kostet.
- Veralterung. Ware, die aus der Mode kommt, technisch überholt ist oder abläuft und abgeschrieben werden muss.
- Fläche, soweit sie mit der Menge wächst: Außenlager, zusätzliche Regale, Energie. Die Grundmiete zählt nicht, sie fällt auch bei halb leerem Lager an.
- Handling. Umlagern, Suchen, Zählen bei der Inventur.
- Schwund und Bruch. Was gestohlen, beschädigt, verlegt oder falsch gebucht wird.
- Versicherung. Je mehr Ware, desto höher die Versicherungssumme.
Rechenbeispiel: 20 Prozent
| Kostenblock bei 1,2 Mio. € Lagerwert | Euro pro Jahr | Anteil |
|---|---|---|
| Zinsen (9 % Kontokorrent) | 108.000 € | 9,0 % |
| Veralterung und Abschreibungen | 60.000 € | 5,0 % |
| Fläche, mengenabhängig | 30.000 € | 2,5 % |
| Handling und Inventur | 18.000 € | 1,5 % |
| Schwund und Bruch | 18.000 € | 1,5 % |
| Versicherung | 6.000 € | 0,5 % |
| Summe | 240.000 € | 20,0 % |
Die 20 Prozent sind der Lagerhaltungskostensatz. 240.000 Euro im Jahr sind rund 660 Euro an jedem einzelnen Tag.
Welcher Satz passt zu Ihnen?
Im Handel liegt der Satz meist zwischen 15 und 25 Prozent. Höher liegen Sie mit teurem Kredit, schnell veraltender Ware wie Elektronik oder Mode und viel Bruch. Niedriger mit wenig Fremdkapital, eigener Halle und Ware, die kaum altert, etwa Schrauben oder Rohre. Kennen Sie Ihren Wert nicht, rechnen Sie mit 20 Prozent.
Ein Artikel, der Geld verbrennt
640 Thermostatköpfe zu je 18 Euro binden 11.520 Euro. Bei 20 Prozent stehen dafür rechnerisch 2.304 Euro Lagerkosten im Jahr in der Kalkulation. Verkauft werden 20 Stück mit je 8 Euro Rohertrag, also 160 Euro. Auf dem Papier ein Minus von über 2.100 Euro im Jahr, das auf keiner Rechnung auftaucht.
Ein Teil davon ist Kalkulation, kein Geldabfluss: Fläche und Handling sparen Sie erst, wenn Sie den Platz anders nutzen. Die Zahl zeigt, dass der Artikel nicht nachbestellt werden darf. Ob sich ein Abverkauf lohnt, entscheiden Sie mit dem heutigen Verwertungswert der Ware, nicht mit dem Einkaufspreis. Das Rechenbeispiel dazu steht im Leitfaden Ladenhüter.
Vergleichen Sie diesen Wert mit dem Rohertrag pro Jahr. Ist er höher, gehört der Artikel auf die Prüfliste: Nachbestellung stoppen, Rückgabe oder Abverkauf prüfen.
Was Sie beim Abbau wirklich sparen
Nicht alle 20 Prozent fallen sofort weg. Die Zinsen sinken mit dem ersten Euro, der zurück aufs Konto kommt. Die Veralterung sinkt, wenn keine neuen Ladenhüter nachkommen. Fläche und Handling sparen Sie erst, wenn Sie den Platz anders nutzen oder ein Außenlager kündigen. Rechnen Sie den Erfolg deshalb ehrlich: freigesetztes Kapital zuerst, Kostenersparnis danach.
Häufige Fragen
Wie hoch sind Lagerhaltungskosten im Handel?
Meist 15 bis 25 Prozent des durchschnittlichen Lagerwerts pro Jahr. Wer seinen Wert nicht kennt, rechnet mit 20 Prozent.
Wie berechnet man den Lagerhaltungskostensatz?
Alle jährlichen Kosten, die durch den Bestand entstehen (Zinsen, Veralterung, mengenabhängige Fläche, Handling, Schwund, Versicherung), geteilt durch den durchschnittlichen Lagerwert.
Was ist der größte Kostenblock im Lager?
Meist die Zinsen auf das gebundene Kapital und die Veralterung der Ware, nicht die Miete für die Halle.
Wann verbrennt ein Artikel Geld?
Wenn seine Lagerkosten pro Jahr (Bestandswert × Lagerhaltungskostensatz) höher sind als der Rohertrag, den er im Jahr bringt. Dann gehört er auf die Prüfliste. Ob sich ein Abverkauf lohnt, entscheiden Sie mit dem heutigen Verwertungswert der Ware, nicht mit dem Einkaufspreis.
Was kostet Ihr Lager im Jahr?
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