Wissen für Händler

Sicherheitsbestand und Meldebestand berechnen

Von Bernd Schäfer · Bestandsoptimierung für den Handel · Stand 1. November 2026

Kurz gesagt

Der Meldebestand ist die Menge, bei der Sie nachbestellen müssen: Verkauf pro Tag × Lieferzeit in Tagen + Sicherheitsbestand. Der Sicherheitsbestand ist ein Puffer für Überraschungen. Im Handel reicht als Faustregel: bei A-Artikeln der Verkauf von 1 bis 2 Wochen, bei B-Artikeln etwa 1 Woche, bei C-Artikeln wenig oder keiner.

An der Theke übergibt eine Verkäuferin einem Handwerker lächelnd die Ware
An der Theke übergibt eine Verkäuferin einem Handwerker lächelnd die Ware · KI-Bild · Bestands-Manager.com

Der Meldebestand: wann bestellen?

Der Meldebestand (englisch Reorder Point) ist die Menge, bei der Sie nachbestellen müssen, damit die Ware rechtzeitig ankommt. Er besteht aus zwei Teilen: dem, was Sie verkaufen, bis die Lieferung da ist, und einem Puffer.

Meldebestand = Verkauf pro Tag × Lieferzeit in Tagen + Sicherheitsbestand

Rechenbeispiel

Pressfitting 22 mmWert
Verkauf pro Tag10 Stück
Lieferzeit21 Tage → 10 × 21 = 210 Stück
Sicherheitsbestand (1 Woche)10 × 7 = 70 Stück
Meldebestand280 Stück

Liegen weniger als 280 Stück im Regal, wird bestellt. Liegen nur noch 150 da, ist es höchste Zeit.

Der Sicherheitsbestand: wie groß soll der Puffer sein?

Der Sicherheitsbestand fängt ab, dass ein Kunde mal mehr kauft oder der Lieferant länger braucht. Zu klein heißt: Lücken im Regal. Zu groß heißt: gebundenes Geld bei jedem Artikel. Für den Anfang reicht eine Faustregel nach ABC-Klasse:

KlasseSicherheitsbestandWarum
A-ArtikelVerkauf von 1 bis 2 WochenFehlen kostet viel, hoher Umsatz
B-ArtikelVerkauf von etwa 1 WocheMittelweg
C-Artikelwenig oder keinerFehlen kostet wenig, Puffer bindet unnötig Geld

Schwankt die Lieferzeit stark, etwa bei Importware, nehmen Sie mehr Puffer. Bei zuverlässigen, schnellen Lieferanten weniger.

Für Fortgeschrittene: die statistische Formel

Wer genauer rechnen will, nutzt die Schwankung des Tagesverkaufs:

Sicherheitsbestand = z × σ × √Lieferzeit

Dabei ist σ die Standardabweichung des Tagesverkaufs und z ein Faktor für die gewünschte Lieferfähigkeit, etwa 1,65 für 95 Prozent. Die Formel setzt einigermaßen gleichmäßigen Verkauf voraus. Für sporadisch verkaufte Artikel und Saisonware taugt sie wenig. Im Handel mit tausenden Artikeln ist die Faustregel nach ABC-Klasse meist der bessere Start.

Warum 100 Prozent Lieferfähigkeit zu teuer sind

Für die letzten Prozent Lieferfähigkeit brauchen Sie riesige Puffer bei jedem Artikel. Klüger ist: hohe Lieferfähigkeit bei A-Artikeln, normale bei B, bewusst niedrigere bei C. Ein C-Artikel darf ruhig zwei Tage Lieferzeit haben. Fehlt dagegen der tägliche Standardartikel Ihres Kunden, kauft er beim nächsten Mal woanders, und zwar oft den ganzen Auftrag.

Woran Sie ein Fehlmengen-Risiko erkennen

Ein Artikel ist gefährdet, wenn seine Reichweite kürzer ist als die Lieferzeit plus 7 Tage. Beispiel: Reichweite 15 Tage, Lieferzeit 21 Tage. 15 ist kleiner als 28, also sofort bestellen. Prüfen Sie das vor allem für Ihre A-Artikel.

Fehlmengen stehen in keiner Auswertung. Sammeln Sie sie aktiv: über die Rückstandsliste der Warenwirtschaft und eine Woche Strichliste im Verkauf („Kunde wollte X, hatten wir nicht“).

Häufige Fragen

Wie berechnet man den Meldebestand?

Meldebestand = Verkauf pro Tag × Lieferzeit in Tagen + Sicherheitsbestand. Beispiel: 10 Stück pro Tag, 21 Tage Lieferzeit, 70 Stück Puffer ergibt 280 Stück.

Wie hoch sollte der Sicherheitsbestand im Handel sein?

Als Faustregel bei A-Artikeln der Verkauf von 1 bis 2 Wochen, bei B-Artikeln etwa 1 Woche, bei C-Artikeln wenig oder keiner. Bei unzuverlässigen Lieferzeiten mehr.

Was ist der Unterschied zwischen Meldebestand und Sicherheitsbestand?

Der Sicherheitsbestand ist nur der Puffer für Überraschungen. Der Meldebestand ist die Bestellgrenze: der erwartete Verkauf während der Lieferzeit plus dieser Puffer.

Wann besteht ein Fehlmengen-Risiko?

Wenn die Reichweite eines Artikels kürzer ist als seine Lieferzeit plus etwa eine Woche Puffer. Dann reicht der Bestand nicht bis zur nächsten Lieferung.

Welche Ihrer A-Artikel sind zu knapp?

Die Bestandsanalyse zeigt knappe A-Artikel mit dem Umsatz, der daran hängt, und gleichzeitig, wo zu viel liegt. Festpreis ab 490 €, mit Garantie.

Bestandsanalyse ansehen

Weiterlesen

Ladenhüter erkennen und abbauenÜberbestand abbauen, ohne zu verramschenBestände senken ohne neue Software: Wann Excel reicht und wann nichtLagerumschlag berechnen und verbessernWas kostet Lagerhaltung? Den Lagerhaltungskostensatz berechnenGlossar: alle Fachbegriffe kurz erklärt