Wissen für Händler
Überbestand abbauen, ohne zu verramschen
Überbestand liegt vor, wenn der Bestand eines Artikels länger als 180 Tage reicht. Als zu viel zählt alles über 90 Tage Reichweite. Weil sich diese Artikel noch verkaufen, müssen Sie sie meist nicht verramschen: Offene Bestellungen prüfen, Nachbestellung aussetzen, bis 90 Tage erreicht sind, und die Ursache in der Warenwirtschaft korrigieren. Realistisch lassen sich so rund 60 Prozent des Überbestands in 12 Monaten abbauen.

Überbestand ist teurer als Ladenhüter
Ladenhüter fallen auf. Überbestände nicht, denn der Artikel verkauft sich ja, jede Woche ein paar Stück. Bei den meisten Händlern steckt im Überbestand trotzdem mehr Geld als in den Ladenhütern.
Wann ist es zu viel?
Gemessen wird Überbestand an der Reichweite: Wie viele Tage reicht der Bestand, wenn nichts nachkommt?
- Über 180 Tage Reichweite: Der Artikel ist überbeständig.
- Alles über 90 Tage zählt als zu viel. 90 Tage sind für die meisten Artikel im Handel eine gute Ziel-Reichweite.
Die 180 Tage sorgen dafür, dass Sie sich nur um die auffälligen Fälle kümmern. Die 90 Tage sagen, wie viel Sie dort abbauen können. Beide Werte können Sie für Ihr Sortiment anpassen.
Rechenbeispiel
| Pressfitting 15 mm | Wert |
|---|---|
| Verkauf in 12 Monaten | 1.825 Stück = 5 Stück pro Tag |
| Bestand | 1.500 Stück |
| Reichweite | 1.500 ÷ 5 = 300 Tage |
| Bestand bei 90 Tagen Ziel | 90 × 5 = 450 Stück |
| Zu viel | 1.050 Stück × 1,80 € = 1.890 € gebunden |
1.890 Euro wirken harmlos. Ein Großhändler mit 380 solcher Artikel hat aber schnell über 250.000 Euro im Überbestand.
Die gute Nachricht: Hahn zudrehen reicht
Stellen Sie sich eine zu volle Badewanne vor. Sie müssen kein Wasser abschöpfen, es reicht, den Hahn zuzudrehen. Ohne Nachbestellung sinkt der Bestand im Beispiel um 5 Stück pro Tag. Nach gut 200 Tagen sind 90 Tage Reichweite erreicht, ohne einen Cent Rabatt.
Fünf Schritte gegen Überbestand
- Offene Bestellungen prüfen. Oft ist die nächste Lieferung schon unterwegs. Stornieren, verschieben oder reduzieren wirkt am schnellsten.
- Nachbestellung aussetzen, bis 90 Tage Reichweite erreicht sind. Datum für die nächste Prüfung notieren.
- Ursache abstellen. Meldebestand zu hoch? Bestellmenge zu groß? Rabattkauf? Ohne Korrektur in der Warenwirtschaft ist der Überbestand in einem Jahr wieder da.
- Bei mehreren Jahren Reichweite aktiv werden: Rückgabe an den Lieferanten, Umlagern, Aktion.
- Saison beachten. Vor der Saison ist hoher Bestand gewollt. Saisonartikel nach der Saison prüfen.
Einschlafende Artikel: der Überbestand von morgen
Ein Artikel mit heute normaler Reichweite wird zum Problem, wenn sein Verkauf sinkt und nach alter Gewohnheit nachbestellt wird. Als einschlafend gilt ein Artikel, der mehr als 40 Prozent weniger verkauft als im Vorjahr. Häufigster Grund: ein Nachfolgemodell. Hier sofort die Bestellmenge senken.
Wie viel kommt realistisch zurück?
Überbestand lässt sich leichter abbauen als Ladenhüter. Vorsichtig gerechnet werden rund 60 Prozent in 12 Monaten frei. Den Rest verhindern Mindestmengen oder Artikel, die doch langsamer laufen als gedacht.
Häufige Fragen
Ab welcher Reichweite spricht man von Überbestand?
Als Faustregel ab mehr als 180 Tagen Reichweite. Als zu viel gilt dann alles, was über eine Ziel-Reichweite von 90 Tagen hinausgeht.
Muss ich Überbestand mit Rabatt verkaufen?
Meist nicht. Weil sich der Artikel weiter verkauft, reicht es oft, die Nachbestellung auszusetzen, bis die Ziel-Reichweite erreicht ist. Rabatte lohnen sich erst bei mehreren Jahren Reichweite.
Was ist ein einschlafender Artikel?
Ein Artikel, dessen Verkauf mehr als 40 Prozent unter dem Vorjahr liegt. Er hat oft noch eine normale Reichweite, wird aber zum Überbestand oder Ladenhüter, wenn weiter wie bisher bestellt wird.
Wie berechne ich die Reichweite?
Bestand geteilt durch den Verkauf pro Tag. Den Verkauf pro Tag erhalten Sie, indem Sie den Jahresverkauf durch 365 teilen.
Wo steckt bei Ihnen zu viel Ware?
Der Geld-im-Regal-Check (Excel, 49 €) gibt jedem Artikel einen Status – Ladenhüter, Überbestand, einschlafend, Fehlmengen-Risiko – und zeigt das freisetzbare Kapital in Euro.
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